Sekten und sektiererische Gruppen

Was sind Sekten?

Labyrinth

Labyrinth ohne Ausweg: Der Kontakt zu einer Sekte kann den Menschen rasch die Orientierung verlieren lassen

Bild: iStockPhoto / cjp

Sekten und Psychogruppen sind eine Herausforderung für Kirche und Gesellschaft. Die Sektenberatung informiert, unterstützt Betroffene und arbeitet vernetzt mit anderen zuständigen Institutionen.

Wer sich mit der Thematik der Sekten befasst, steht vor dem Problem der Fassbarkeit des Phänomens. Einerseits kennen fast alle den Begriff "Sekte" und verbinden damit eine meist recht deutliche Vorstellung, zum anderen gibt es keinerlei offizielle oder wissenschaftlich allgemein anerkannte Definitionen des Begriffs "Sekte".

Eine Sekte ist nach dem Schweizer Religionswissenschaftler Georg Otto Schmid eine Gemeinschaft, durch welche Menschen eine erzwungene Abgabe von Freiheit erleben. Dabei spielen der Führungsstil, die Regelfestlegungen für alle Bereiche des Lebens sowie die Kontrolle der Einhaltung und Sanktionierung eine zentrale Rolle. Diese Wahrnehmung sei einerseits von einer subjektiven Einschätzung abhängig und auch graduell unterschiedlich. „Es wird klar, dass dieselbe Gemeinschaft von unterschiedlichen Menschen in ihrer Sektenhaftigkeit sehr verschieden erlebt werden kann“, so Schmid. Erst eine Zusammenschau von Merkmalen könne ein Bild der Sektenhaftigkeit einer bestimmten Gemeinschaft ergeben.

Wie erkennt man eine sektiererische Gruppe?

Wir haben eine Checkliste mit den typischen Merkmalen einer sektiererischen Gruppe zusammengestellt. Eine bestimmte Gruppe, zu der Sie persönlich, Angehörige oder Freunde Kontakt haben, können Sie anhand der genannten Kriterien überprüfen. Falls Sie sich persönlich bedroht fühlen oder Zweifel haben oder auch nur genaueren Informationen über eine Gruppierung suchen, empfehlen wir, direkt mit uns in Kontakt zu treten.

Im religionswissenschaftlichen Sinn bezeichnet "Sekte" hingegen ganz allgemein eine religiöse Gemeinschaft, die mit den ursprünglichen Überlieferungen wesentliche eigene Wahrheits- und Offenbarungsquellen verbindet. Sekten sind keine spezifisch christliche Erscheinung: es gibt jüdisch, islamisch, buddhistisch oder hinduistisch geprägte Sekten. Kenner der Materie denken zunächst an "klassische" christliche Sekten, zu denen bisher die "Zeugen Jehovas" oder die "Neuapostolische Kirche", die im 19. Jahrhundert entstanden sind, gezählt wurden. Aber auch Neubildungen der jüngsten Zeit wie die Gemeinschaften „Fiat Lux“ oder „Universelles Leben“ fallen unter diesen Begriff von "Sekte".

Scientology: sektiererischer Aufbau und Methoden

Die Scientology-Organisation wird umgangssprachlich oft als Sekte bezeichnet. Sie gibt sich zwar nach außen hin religiös, in Wirklichkeit aber handelt es sich bei ihr um einen ideologisch straff organisierten Psychokonzern, dem es um Macht und Geld geht.

Im Rahmen einer Differenzierung in religiöse, gesellschafltiche, psychologische oder politische „Sekten“ wird in der Regel der Begriff „sektiererisches Verhalten“ verwendet. Der Sektenbegriff wird ausschließlich für entsprechende religiöse Gemeinschaften verwendet. Bei nicht-religiösen Gruppierungen (zum Beispiel Psychogruppen etc.) spricht man analog von „sektiererischem Verhalten“.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Ist das eine Sekte?

Nicht der Begriff ist wichtig, sondern die Sache. Bevor eine konkrete Person oder Gruppe mit einem "Etikett" versehen wird, sollte zunächst der Sachverhalt geklärt werden. Nutzen Sie die Checkliste „Wie erkennt man eine sektiererische Gruppe“.

Ist diese Gruppe gefährlich?

Ein pauschales "Ja" oder "Nein" auf diese Frage können wir nicht geben, "Gefahr" ist ein relativer Begriff. Es gibt jedoch einige "objektive" Gefahren bei sektiererischen Gruppen, zum Beispiel Rechtswidrigkeiten, medizinische Scharlatanerie, Manipulationen oder Bewusstseinskontrolle. Hinzu können "subjektiv" empfundene Gefahren wie Ängste, Verfolgungsgefühle oder Orientierungslosigkeit kommen. Wir haben einige Merkmale sektiererischer Gruppen (PDF Checkliste) zusammengestellt. Sollten Sie sich unsicher sein, wenden Sie sich direkt an uns.

Verbirgt sich Scientology hinter dieser Gruppe?

Ob Scientology im konkreten Fall der wahre Initiator der Gruppe, der Vereinnahmung oder des Kurses ist, werden wir im Einzelfall prüfen. Das Ergebnis der Überprüfung wird umso aufschlussreicher, je mehr Informationen wir von Ihnen erhalten (zu den Adressen). Dabei ist keineswegs alles, was nicht Scientology ist, unbedenklich.

Kann man Sekten nicht verbieten?

Nach dem Artikel 4 des Grundgesetzes gilt die Religions- und Weltanschauungsfreiheit in unserem demokratischen Gemeinwesen für alle Bürgerinnen und Bürger, für alle religiösen und weltanschaulichen Organisationen.

Nur wenn sich eine Gruppierung kriminell oder verfassungsfeindlich verhält, kann ein Verbot in Erwägung gezogen werden. Nach unserer Rechtsordnung dürfen Menschen zwar alles glauben, was sie wollen, aber sie dürfen nicht alles machen, was sie glauben. Wichtiger als Verbote und Tabuisierungen sind die Information über die religiöse und weltanschauliche Szene und die sachliche Auseinandersetzung mit sektiererischen Systemen und ihren Gefahren.

Warum tun die Kirchen nichts gegen Sekten?

Wir informieren, bilden fort, unterstützen Betroffene und arbeiten vernetzt mit anderen zuständigen Institutionen. Die Kirchen engagieren sich sehr stark in Beratung und Seelsorge. Sie finden, es könnte noch mehr sein? Was erwarten Sie?

Warum tut der Staat so wenig?

Der Staat muss beim Thema Sekten die von der Verfassung gezogenen Grenzen der Neutralitätspflicht in religiösen und weltanschaulichen Dingen beachten. Erst wenn die Religions- und Weltanschauungsfreiheit dazu missbraucht wird, Menschen ihrer allgemeinen Rechte zu berauben, kann und muss er verwarnen, gegebenenfalls Sanktionen verhängen oder die Gruppe sogar verbieten. Der Staat unterhält Dienststellen, die sich mit diesem Themenbereich beschäftigen. Allerdings dienen sie oftmals nur dem innerbehördlichen Informationsaustausch - abgesehen von einigen nützlichen Info-Broschüren für die Öffentlichkeit. In der Linkliste finden Sie weitere Hinweise.


20.05.2014 / Andrea Seidel
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